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Multiple Choice
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Multiple Choice (MC, ) oder deutsch Mehrfachauswahl, auch Antwort-Wahl-Verfahren, ist eine in PrĂŒfungen, Tests, Klausuren und Umfragen verwendete Fragetechnik, bei der zu einer Frage mehrere vorformulierte Antworten zur Auswahl stehen.cite-ref-1[1] Dabei ist es zu beachten, dass multiple choice im Englischen strikt eine gĂŒltige Antwort aus mehreren bedeutet (daher ein falscher Freund), was im Deutschen Single Choice entspricht, wĂ€hrend mehrere gĂŒltige Antwortmöglichkeiten im Englischen als multiple response bezeichnet wird.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3]
Es handelt sich um eine âerzwungene Wahlâ (Forced-Choice) im Unterschied zum freien Antwortformat. Die Fragen bezeichnet man auch als geschlossene Fragen im Gegensatz zu offenen Fragen, bei denen der Proband eine freie Antwort eintragen muss. In einzelnen Tests oder Befragungen ist auch eine Kombination beider Fragetypen ĂŒblich.
Contents
âą Formen
âą SC-Bewertung
âą MC-Bewertung
âą Vorteile
âą Nachteile
âą Weitere Probleme
âą Beispiele
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Unterschiedliche Formate und Begrifflichkeiten
In manchen Disziplinen wird der Begriff âSingle Choiceâ (SC) oder Einfachauswahl davon noch unterschieden â fĂŒr Fragen, bei denen genau eine Antwort ausgewĂ€hlt werden soll, wĂ€hrend bei âMultiple Choiceâ nach dieser Definition auch mehrere Antworten ausgewĂ€hlt werden können. In vielen Kontexten gilt die Verabredung, dass immer nur eine Antwort richtig sein bzw. gewĂ€hlt werden kann. GrundsĂ€tzlich ist in der Instruktion darauf hinzuweisen, teilweise gilt dies als so selbstverstĂ€ndlich, dass darauf gar nicht explizit hingewiesen wird â so zum Beispiel bei PrĂŒfungen an Schulen und Hochschulen in den USA oder Australien.
GrundsĂ€tzlich gibt es folgende Auswahlformate fĂŒr Testaufgaben mit n Antwortmöglichkeiten und k †n richtigen Antworten, d. h. mit nâk nicht zutreffenden Distraktoren:
Multiple Choice: Select
eine bekannte Anzahl k Antworten trifft zu
Single Choice oder Multiple Choice: Choose
eine Antwort (k = 1) trifft zu
BinÀrfrage oder Entscheidungsfrage
eine von zwei dichotomen Antworten (k = 1, n = 2) trifft zu: wahr/falsch, ja/nein âŠ
Multiple Choice: Check
eine unbekannte Anzahl Antworten (k â„ 0) trifft zu höchstens eine bekannte Anzahl Antworten (k †c) trifft zu, bspw. im Extremfall eine (k †1) oder alle auĂer einer (k †nâ1) mindestens eine bekannte Anzahl Antworten (c †k) trifft zu, bspw. eine (k â„ 1) mindestens und höchstens bekannte Anzahlen Antworten (c †k †d) treffen zu, bspw. eine bis alle auĂer einer (c = 1, d = nâ1) mehr Antworten treffen zu als nicht zu (k > nâ2) oder umgekehrt (k < nâ2)
Formen
In elektronischen Formularen und GUIs ist es ĂŒblich, Einfachauswahlen mit runden, und Mehrfachauswahlen mit eckigen Boxen darzustellen. Statt eines Kreuzes kann auch ein Haken oder Ă€hnliches gesetzt werden. Alternativ können gerade auf Touchscreens oder im Fernsehen (vgl. Quizsendungen wie Wer wird MillionĂ€r?) die gewĂ€hlten und bei der Auswertung die korrekten und falschen Antworten durch Text- und Hintergrundfarben oder Umrahmungen und andere Stile dargestellt werden.
Um bei der Auswertung zwischen nicht ausgewĂ€hlten und nicht bearbeiteten Antwortvorgaben unterscheiden zu können, werden mitunter zwei KĂ€stchen pro Frage fĂŒr âtrifft zuâ/âjaâ und âtrifft nicht zuâ/âneinâ verwendet. Damit handelt es sich um eine Gruppe von Entscheidungsfragen mit derselben Fragestellung.
Auf Papierformularen kann ein komplett ausgefĂŒlltes KĂ€stchen als Korrektur und damit wie ein nicht angekreuztes gewertet werden. Manche automatische Auswerteverfahren erwarten hingegen ausgefĂŒllte KĂ€stchen statt Kreuze zur Antwortmarkierung.
Die vorgegebenen Antworten können alle ĂŒberhaupt möglichen Antworten vollstĂ€ndig abdecken oder nur eine Auswahl anbieten. Mitunter wird eine komplette Abdeckung indirekt dadurch erreicht, dass eine Antwort lautet: âkeine der anderen Antworten trifft zuâ.
Skalen und Matrizen
Wenn die Antwortvarianten verschiedene Grade einer Bewertung darstellen (z. B. âsehr zufriedenâ bis âsehr unzufriedenâ), von denen genau eine ausgewĂ€hlt werden muss, spricht man in der Sozialforschung nicht von Multiple Choice, sondern von einem skalierten Frage-Verfahren.
Da bei MC-Fragen in der Sozialwissenschaft Meinung erforscht und nicht Wissen geprĂŒft wird, gibt es auch hĂ€ufig als letzte Antwortmöglichkeit âweiĂ nichtâ oder âkeine Angabeâ, da Probanden sich oft verpflichtet fĂŒhlen, irgendein Kreuz zu setzen.
In speziellen Anwendungen mĂŒssen Kreuze in einer Matrix gesetzt werden. So kann man mehr Kombinationsmöglichkeiten realisieren.
Zweistufige Testaufgaben
Im Medizinstudium war bis vor einigen Jahren ein Multiple-Choice-Format gebrĂ€uchlich, in dem zunĂ€chst verschiedene Aussagen vorgeschlagen werden, von denen eine beliebige Anzahl zutreffen kann. AnschlieĂend folgt die eigentliche Frage, bei der nur eine Antwort die richtige ist.
Mit fĂŒnf Antwortmöglichkeiten im Beispiel liegt die KomplexitĂ€t unwesentlich höher als im Fall einer einzigen richtigen unter den vier Aussagen, aber deutlich niedriger als bei freier Kombinierbarkeit inklusive der RandfĂ€lle, dass keine oder alle der Aussagen zutrifft, denn damit gĂ€be es 16 mögliche Antwortmuster. Selbst bei der BeschrĂ€nkung darauf, dass genau eine oder zwei Aussagen zutreffen können, gĂ€be es bereits 10 Muster. Die Reduktion der KomplexitĂ€t erleichtert also insbesondere die Korrektur und Bewertung. Im Beispiel sind die Antwortmöglichkeiten aufsteigend nach der Anzahl zutreffender Aussagen sortiert, aber dies muss nicht der Fall sein.
Bewertung von Testleistungen
Die gerechte Bewertung von MC-Aufgaben ist nicht trivial und fĂŒhrt leicht zu ungerechten Urteilen.
Am deutlichsten wird dies bei einem Test mit nur zwei Antwortalternativen pro Frage (âtrifft zuâ oder âtrifft nicht zuâ). Wird hier ein richtig gesetztes Kreuz mit einem Punkt bewertet, fĂŒr ein falsch gesetztes jedoch kein Punkt abgezogen, erreicht ein Proband ohne jede Kenntnis durch einfaches Ankreuzen des jeweils ersten KĂ€stchens durchschnittlich 50 % der erreichbaren Punktzahl und damit nach gĂ€ngiger Auswertung ein Ausreichend bzw. Bestanden attestiert. Probanden, die mit Ă€hnlichen Fragen in einer Klausur ohne MC geprĂŒft werden, sind damit deutlich benachteiligt.
Dennoch werden in der Praxis MC-Tests zum Teil auf diese Weise und damit fehlerhaft ausgewertet. Die so gewonnenen PrĂŒfungsergebnisse liegen dann ein bis zwei Notenstufen ĂŒber konventionell erzielten Ergebnissen (eine so erzielte Vier entspricht bspw. einer Sechs, d. h. keinerlei nachweisbare Kenntnisse).
Zum Teil wird auch, im Bewusstsein der Problematik aber in Unkenntnis der mathematischen ZusammenhĂ€nge, unabhĂ€ngig von der Anzahl der Antwortmöglichkeiten die Bestehensgrenze pauschal auf 60 % festgelegt. Dieses Vorgehen ist jedoch, auĂer bei genau 5 AntwortkĂ€stchen pro Frage, ebenfalls fehlerhaft (siehe unten).
SC-Bewertung
Ist genau eine der angebotenen Alternativen richtig, alle anderen falsch, ist der einfachste Weg zu einer gerechten Bewertung, fĂŒr falsche Kreuze Punktabzug (Malus) anzurechnen: Bei zwei angebotenen Antwortalternativen pro Frage je einen Punkt, bei drei Alternativen einen halben Punkt, bei vier Alternativen einen Drittelpunkt usw. Unbeantwortete Fragen und solche, bei denen mehr als ein Kreuz gesetzt wurde, bleiben ohne Wertung, es wird kein Punkt gegeben und keiner abgezogen. Um dem Probanden stets die Möglichkeit zu geben, Punktabzug fĂŒr nicht beantwortete Fragen zu vermeiden, sollen immer mindestens zwei Alternativen (âtrifft zuâ und âtrifft nicht zuâ) angeboten werden. AuftrĂ€ge wie âKreuzen Sie die richtigen Aussagen anâ sind generell zu vermeiden.
| Antwortalternativen pro Frage | Abzug pro falsch gesetztes Kreuz |
|---|---|
| 2 | 1 |
| 3 | 1 â 2 |
| 4 | 1 â 3 |
| 5 | 1 â 4 |
| n | 1 â n â1 |
Die BerĂŒcksichtigung des statistischen Effektes durch dieses Abzugsverfahren ist juristisch angreifbarcite-ref-4[4]cite-ref-ovg-nrw-5-0[5]. Alternativ kann eine rechtssichere Bewertung erzielt werden, indem statt Punktabzug fĂŒr falsche Antworten ein angepasster PunkteschlĂŒssel mit höherer Bestehensgrenze zur Anwendung kommt. FĂŒr den (hĂ€ufigsten) Fall, dass der Proband fĂŒr ein Bestehen eine Kenntnis von 50 % des Stoffes nachzuweisen hat, ergibt sich dann folgender korrigierter PunkteschlĂŒssel:
| Antwortalternativen pro Frage | Bestehensgrenze | Bestehensgrenze |
|---|---|---|
| 2 | 75 % | Ÿ |
| 3 | 66,6 % | â
|
| 4 | 62,5 % | â
|
| 5 | 60 % | â
|
| n | n +1 â 2· n | n +1 â 2· n |
In Folge eines Gerichtsurteilscite-ref-ovg-nrw-5-1[5] wird jedoch bspw. an nordrhein-westfĂ€lischen Hochschulen inzwischen ein fester NotenschlĂŒssel verwendet, der weder die Anzahl der Alternativen noch der richtigen Antworten pro Frage berĂŒcksichtigt und davon ausgeht, dass jede Aufgabe bzw. richtige Antwort unabhĂ€ngig von Schwierigkeit und KomplexitĂ€t mit gleich vielen Punkten (nĂ€mlich einem) bewertet wird. Die Bestehensgrenze liegt ĂŒblicherweise bei 60 % der Gesamtpunktzahl, wird aber zwangsweise angehoben werden, wenn sonst die Durchfallquote der Erstteilnehmer an einer PrĂŒfung zu hoch wĂ€re, weil dies als Indikator fĂŒr eine unangemessen schwierige PrĂŒfung gewertet wird. Um beide FĂ€lle abzudecken, wird der NotenschlĂŒssel fix ĂŒber den Anteil korrekter Antworten oberhalb der flexiblen Bestehensgrenze definiert. Feiner gestufte Noten wie 1,3 und 2,7 sind nicht festgelegt, werden aber in der Regel linear in das Raster eingefĂŒgt, wobei dann die Frage ist, ob die Grenze fĂŒr x fĂŒr eine x,0 oder eine x,3 gilt.
| Note | Mindestanteil | ĂŒber der Bestehensgrenze | Teilnote | weiche Interpretation | weiche Interpretation | harte Interpretation | harte Interpretation |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 90 % | 75 % | 1,0 | 93 1 â 3 % | 83 1 â 3 % | 90 % | 75 % |
| 1 | 90 % | 75 % | 1,3 | 90 % | 75 % | 86 2 â 3 % | 66 2 â 3 % |
| 2 | 80 % | 50 % | 1,7 | 86 2 â 3 % | 66 2 â 3 % | 83 1 â 3 % | 58 1 â 3 % |
| 2 | 80 % | 50 % | 2,0 | 83 1 â 3 % | 58 1 â 3 % | 80 % | 50 % |
| 2 | 80 % | 50 % | 2,3 | 80 % | 50 % | 76 2 â 3 % | 41 2 â 3 % |
| 3 | 70 % | 25 % | 2,7 | 76 2 â 3 % | 41 2 â 3 % | 73 1 â 3 % | 33 1 â 3 % |
| 3 | 70 % | 25 % | 3,0 | 73 1 â 3 % | 33 1 â 3 % | 70 % | 25 % |
| 3 | 70 % | 25 % | 3,3 | 70 % | 25 % | 66 2 â 3 % | 16 2 â 3 % |
| 4 | 60 % | 0 % | 3,7 | 65 % | 12 1 â 2 % | 63 1 â 3 % | 8 1 â 3 % |
| 4 | 60 % | 0 % | 4,0 | 60 % | 0 % | 60 % | 0 % |
| 5 | 0 % | â | 5,0 | â | â | â | â |
MC-Bewertung
Sind bei einer Aufgabe mehrere Antworten richtig, ist wie bei mehreren Einzelfragen mit je zwei Alternativen (âtrifft [nicht] zuâ) zu verfahren und fĂŒr falsche Kreuze ein Malus von einem Punkt zu geben. Nicht oder doppelt gekreuzte Antworten bleiben ohne Folge.
Es sind daher bei jeder Antwortalternative stets zwei KĂ€stchen vorzusehen. AnschlieĂend werden die Einzelpunkte addiert, negative Summen werden dabei als 0 gewertet.
Um das Gewicht der Aufgabe innerhalb der GesamtprĂŒfung festzulegen, kann ggf. die erzielte Punktzahl auf die gewĂŒnschte Punktzahl der Aufgabe umgerechnet werden. Wenn bspw. wie im gezeigten Beispiel fĂŒnf Antwortmöglichkeiten bewertet werden mĂŒssen, könnte die Gesamtaufgabe 2 Punkte ab 4 Teilpunkten (also max. ein falsches Kreuz), 1 Punkt fĂŒr 2â3 Teilpunkte und sonst keinen Punkt bringen.
Vorteile
Mit diesen Tests können viele Lernziele (mit Ausnahme von kreativen Leistungen) abgefragt werden. DarĂŒber hinaus lassen sie sich in der Regel maschinell auswerten. Sie werden deshalb sehr hĂ€ufig eingesetzt, z. B. beim IQ-Test, bei der FĂŒhrerscheinprĂŒfung und verschiedenen QualifikationsprĂŒfungen. Auch PrĂŒfungen an Schulen und UniversitĂ€ten werden manchmal auf diese Weise abgehalten. Bei Auswahlverfahren von Unternehmen ist dieser Test ebenfalls beliebt, da man lediglich eine Lösungsschablone benötigt.
Nachteile
Die FĂ€higkeit, bei unvollstĂ€ndigem Fachwissen aus rein formalen Hinweisen die richtige Lösung zu erschlieĂen oder zumindest einzelne Distraktoren zu eliminieren, wird in den USA unter dem Begriff testwiseness (âTestfĂ€higkeitâ) diskutiert (Millman et al. 1965). Bei schlecht konstruierten Tests half frĂŒher die Faustregel, im Zweifel die lĂ€ngste Antwort anzukreuzen. Einen parodistischen Test, der keinerlei sinnvolles Wissen enthĂ€lt, trotzdem durch ausschlieĂlich formales SchlieĂen gelöst werden kann, hat die New Yorker Schulbehörde veröffentlichtcite-ref-6[6].
Kubinger (2005) schreibt zur oft unterschÀtzten Auswirkung des Rateeffekts auf die diagnostische ValiditÀt von MC-Tests:
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Item eines Tests [Frage im MC-Test; Anm. d. Verf.] nur zufĂ€llig richtig beantwortet und insofern âgelöstâ wird, ist offensichtlich umso gröĂer, je weniger Antwortmöglichkeiten geboten werden. Im heute verfĂŒgbaren Testinventar der psychologischen Diagnostik sind es zumeist fĂŒnf, nĂ€mlich die Lösung samt vier âDistraktorenâ. FĂŒr solche Tests betrĂ€gt die A-priori-Ratewahrscheinlichkeit 1/5 = 20 %, d. h., auch Testpersonen ohne jede entsprechend vorausgesetzte FĂ€higkeit wĂŒrden durchschnittlich 1/5 aller Items âlösenâ. VerschĂ€rft wird das Problem dadurch, dass fĂŒr Testpersonen mit wenigstens minderer FĂ€higkeit nicht alle Antwortmöglichkeiten gleich plausibel sind, so dass von den fĂŒnf hĂ€ufig eine, zwei, manchmal drei gemÀà Falsifikationsstrategie [entspricht hier sinngemÀà in etwa: Ausschlussverfahren, siehe Falsifizierung; Anm. d. Verf.] richtiger Weise auĂer Betracht geraten, was die Ratewahrscheinlichkeit pro Item individuell bis auf 50 % erhöhen kann.
Multiple Choice in internationalen Vergleichen
Multiple-Choice-Aufgaben werden auch in internationalen Schulleistungsvergleichen wie TIMSS, PIRLS oder PISA eingesetzt. Dabei wird das US-amerikanische Standardformat verwendet, in dem in aller Regel vier bis fĂŒnf Antworten vorgegeben werden, von denen genau eine als richtig gewertet wird. Im deutschen Sprachraum aber, wo dieses Aufgabenformat wenig gebrĂ€uchlich ist, haben in den ersten PISA-Runden ĂŒber 10 % der SchĂŒler bei einzelnen Aufgaben mehr als eine Antwort angekreuzt.cite-ref-wuttke-7-0[7]
Eine kanadische Studie zeigt, dass sich der Vorteil nordamerikanischer Studenten, die aus ihrer Schulzeit her MC-Tests gewohnt sind, auch in studienbegleitenden PrĂŒfungen noch nachweisen lĂ€sst.cite-ref-mahamed-8-0[8]
Weitere Probleme
Multiple-Choice-Tests fördern (partielles) Faktenwissen statt Fachwissen. Die Personen lernen das Verifizieren von Antworten statt des Lösens von Aufgaben. Eine Person, die zuverlĂ€ssig die richtige Antwort aus fĂŒnf möglichen findet, kann trotzdem nicht in der Lage sein, die gestellte Aufgabe zu lösen.
Beispiel: Die Testperson löst die Aufgabe so lange, bis ihre Lösung mit einer der vorgegebenen Lösungen ĂŒbereinstimmt. Macht die Testperson dabei nicht die Fehler, die die Ersteller der MC-Lösungen absichtlich gemacht haben, um die falschen Antworten zu generieren, kann die Testperson die richtige Lösung herausfinden, ohne die Aufgabe selbst eigenstĂ€ndig lösen zu können.
Ein drittes Problem ist das richtige Verstehen von Aufgabenstellungen, sowohl durch Mehrdeutigkeiten als auch durch fehlende linguistische FĂ€higkeiten der Testperson. Man testet immer eine Mischung aus Fachwissen und der Beherrschung der Sprache, in der die Aufgabe gestellt wurde, selbst wenn letzteres in der Praxis keine Rolle spielen wĂŒrde, weil die Aufgabe normalerweise aus dem Kontext und nicht aus einer Aufgabenstellung heraus in der Praxis gestellt wird.
Bei SC-Auswahlantworten können sich die Distraktoren sehr in ihrer NĂ€he zur richtigen Antwort unterscheiden, manche sind sogar absichtlich offensichtlich falsch, andere nur in einem leicht zu ĂŒbersehenden Detail falsch. Sie werden aber alle gleich bewertet, wĂ€hrend in einer Freitextkorrektur fĂŒr einige möglicherweise Teilpunkte gegeben wĂŒrden.
MaĂnahmen gegen das Raten
An deutschen und österreichischen UniversitÀten sind Multiple-Choice-Klausuren sehr verbreitet. Um die Studierenden vom Raten abzuhalten, wird die Bestehensgrenze oberhalb der Zufallswahrscheinlichkeit angesetzt oder ein negatives Punktesystem verwendet oder beides.
Die hier vorgestellten Varianten setzen entweder eine binĂ€re Entscheidung (âwahrâ oder âfalschâ) oder Einfachauswahl voraus.
| Bonus | Malus | Neutral | absolutes VerhÀltnis | relatives VerhÀltnis |
|---|---|---|---|---|
| +1 | â1 | â | / B / = / M / {\displaystyle /B/=/M/} | / B / = / M / {\displaystyle /B/=/M/} |
| +1 | â1 | ±0 | / B / = / M / {\displaystyle /B/=/M/} | / B â N / = / M â N / {\displaystyle /B-N/=/M-N/} |
| +1 | â1 | ✠| / B / = / M / {\displaystyle /B/=/M/} | / B â N / > / M â N / {\displaystyle /B-N/>/M-N/} |
| +1 | â1 | â1 | / B / = / M / {\displaystyle /B/=/M/} | / B â N / > / M â N / {\displaystyle /B-N/>/M-N/} |
| +1 | â1 | +œ | / B / = / M / {\displaystyle /B/=/M/} | / B â N / < / M â N / {\displaystyle /B-N/</M-N/} |
| +1 | â2 | â | / B / < / M / {\displaystyle /B/</M/} | / B / < / M / {\displaystyle /B/</M/} |
| +1 | â2 | ±0 | / B / < / M / {\displaystyle /B/</M/} | / B â N / < / M â N / {\displaystyle /B-N/</M-N/} |
| +1 | â2 | â1 | / B / < / M / {\displaystyle /B/</M/} | / B â N / > / M â N / {\displaystyle /B-N/>/M-N/} |
| +1 | ✠| ±0 | / B / > / M / {\displaystyle /B/>/M/} | / B â N / > / M â N / {\displaystyle /B-N/>/M-N/} |
| +1 | ±0 | +œ | / B / > / M / {\displaystyle /B/>/M/} | / B â N / = / M â N / {\displaystyle /B-N/=/M-N/} |
| +1 | ±0 | ±0 | / B / > / M / {\displaystyle /B/>/M/} | / B â N / > / M â N / {\displaystyle /B-N/>/M-N/} |
Im einfachsten und verbreitetsten Verfahren erhĂ€lt jede Antwort betragsmĂ€Ăig dieselbe Wertung, allerdings richtige positiv und falsche negativ. Dieses System ist allerdings juristisch umstritten, denn bei dieser Art der Wertung können âPunkte abgezogen werden, die durch eine richtige Antwort erreicht worden sindâ. Die Aufgabe einer PrĂŒfung ist es âAussagen darĂŒber zu gewinnen, welche berufsbezogenen Kenntnisse der PrĂŒfling hat. Einem Bewertungsverfahren, bei dem fehlerfrei erbrachte PrĂŒfungsleistungen als nicht oder schlecht erbracht gewertet werden, weil andere PrĂŒfungsfragen nicht richtig beantwortet worden sind, fehlt diese Eignung.â (Zitat aus der UrteilsbegrĂŒndung NRW, 14 A 2154/08cite-ref-ovg-nrw-5-2[5]).
Alternativen, die die Einfluss testwiseness weiter reduzieren sollen, vergeben eine betraglich höhere negative Wertung fĂŒr falsche Antworten als positive fĂŒr richtige Antworten.
HĂ€ufig gehen Aufgaben mit Malus schlechtestenfalls mit null Punkten in die Gesamtwertung ein, selbst wenn die Punktesumme eigentlich negativ wĂ€re. So kann der Notenspiegel positiv gehalten werden. Allerdings setzt das eine Aufgabenstellung voraus, in der eine Aufgabe aus mehreren Multiple-Choice-Fragen besteht. Solche Aufgaben werden oft in PrĂŒfungen verwendet, die vorwiegend andere Aufgabentypen enthalten.
Juristische Bewertung
In Deutschland gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Gerichtsurteilen, die die Grenzen der Verwendung des Antwort-Wahl-Verfahrens, wie es im juristischen Umfeld genannt wird, aufzeigen. Viele Urteile beziehen sich dabei auf eine absolute Bestehensgrenze, die dazu gefĂŒhrt hat, dass die Anzahl der bestehenden PrĂŒflinge sich von Jahrgang zu Jahrgang zum Teil erheblich unterscheiden können; andere Urteile beziehen sich auf die Bewertung von Aufgaben.cite-ref-9[9]
Insgesamt empfiehlt es sich daher, sich mit der Rechtsprechung zu befassen, bevor Multiple-Choice-Aufgaben konzipiert werden.
Beispiele
Welche Politiker waren in der Brandt-Regierung Bundesminister?
Karl Schiller Herbert Wehner Rainer Barzel Georg Leber Erich Mende
Die Anzahl richtiger Antworten ist nicht vorgegeben. Richtig sind 1. und die 4. Antwort. 2, 3 und 5 dienen als Distraktoren.
Welches ist der gröĂte Binnensee, der vollstĂ€ndig in Deutschland liegt?
der Bodensee die MĂŒritz das Steinhuder Meer
Aus dem Fragetext scheint zunĂ€chst klar, dass nur eine Antwort richtig sein kann (die 2.). Das Steinhuder Meer ist jedoch ein Binnensee und kommt somit ebenfalls in Betracht, ist jedoch kleiner als die MĂŒritz.
Literatur
âą K. D. Kubinger: Objektive psychologisch-diagnostische Verfahren. In: H. Weber, T. Rammsayer (Hrsg.): Handbuch der Persönlichkeitspsychologie und Differentiellen Psychologie aus Handbuch der Psychologie. Hogrefe, Göttingen 2005, S. 158â165.
âą J. Millman, C. H. Bishop, R. Ebel: An Analysis of Test-Wiseness. In: Educational Psychological Measurement. Band 25, 1965, S. 707â726.
Weblinks
⹠UniversitÀt des Saarlandes: Richtlinien zur Erstellung von einfachen Multiple Choice-Aufgaben
âą Die Auswirkungen von Short-Answer- und Multiple Choice-Ăbungsaufgaben auf das Lernergebnis.
⹠F. Ach: HörverstÀndnistests - Fallstricke bei der Bewertung von Multiple-Choice-Tests. (MS Word; 104 kB)
Einzelnachweise
cite-note-11. â DORSCH Lexikon der Psychologie
cite-note-22. â Multiple response. In: Writing assessment questions for online delivery: Principles and guidelines. University of Bristol. Abgerufen am 23. Juli 2017.
cite-note-33. â Multiple response, itslearning. Abgerufen am 23. Juli 2017.
cite-note-44. â Zeitartikel ĂŒber so einen Fall http://www.zeit.de/campus/2014/06/pruefungsergebnis-klage
cite-note-ovg-nrw-55. â Urteil des Oberverwaltungsgerichtes NRW vom 16. Dezember 2008, 14 A 2154/08 http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/ovg_nrw/j2008/14_A_2154_08urteil20081216.html
cite-note-66. â Test Your Testwiseness, abgerufen am 1. Oktober 2018 (PDF; 52 kB)
cite-note-wuttke-77. â Joachim Wuttke: Die Insignifikanz signifikanter Unterschiede. In: T. Jahnke, W. Meyerhöfer: PISA & Co âKritik eines Programms. Zweite Auflage. Franzbecker, Hildesheim 2007, S. 171 ff. Auch https://web.archive.org/web/20120131005851/http://www.messen-und-deuten.de/pisa/Wuttke2007b.pdf Wuttke weist darauf hin, dass das den Test ĂŒber die unmittelbar betroffenen Aufgaben hinaus verzerrt, denn es kostet viel mehr Zeit, vier oder fĂŒnf Antwortvarianten auf richtig/falsch zu prĂŒfen, statt unter ihnen die plausibleste auszuwĂ€hlen.
cite-note-mahamed-88. â A. Mahamed et al.: âTestwisenessâ Among International Pharmacy Graduates and Canadian Senior Pharmacy Students. In: American Journal of Pharmaceutical Education. Band 70. S. 131.
cite-note-99. â Urteilssammlungen - Bewertung von Multiple-Choice PrĂŒfungen